Gemälde

Lot-No. 4158

Hermine Gartner, Elternbildnisse der Künstlerin

Brustbildnis eines grauhaarigen Mannes in mittleren Jahren, im eleganten Hausmantel mit "Vatermörderkragen", vor grauem Grund, laut neuerem rückseitigen Etikett "Anton Leopold Gartner Vater v. Theodor Gartner – geerbt von »Doßa«, Gattin v. Theodor G. – gemalt von Theodors Schwester Hermine Gartner" dazu Pendant Brustbildnis einer Frau mittleren Alters, mit gescheiteltem schwarzen Haar unter schwarzem Spitzenhäubchen und graublauer Bluse mit weißem Spitzenkragen, laut neuerem rückseitigen Etikett "Therese Gartner, geb. Zingelbauer-Zelenka Mutter v. Theodor Gartner – geerbt von »Doßa«, Gattin v. Theodor G. – gemalt von Theodors Schwester Hermine Gartner" fein lasierende, naturalistische Bildnismalerei in kühler Farbigkeit, je Öl auf Leinwand, rückseitig je als "Bildniss meines Vaters" bzw. "Bildniß meiner Mutter" bezeichnet sowie je signiert und datiert "Hermine Gartner 1867", auf dem Keilrahmen Blindstempel "W. Koller & Co in Wien", rückseitig alte Nummernetiketten "No. 725" bzw. "No. 722", laut ungeprüfter Vorbesitzerangabe stammen die Portraits aus dem Nachlass von Moritz von Schwind, geringe Altersspuren, original als Pendants im Goldstuckrahmen, Falzmaße je ca. 53 x 42,5 cm. Künstlerinfo: verwandte die Pseudonyme "Hermann Grünler" und "Prof. Antonius [Anton] Hermann [Herrmann]", österreichische Malerin, Radiererin, Zeichnerin, Restauratorin, Kopistin und Sprachlehrerin (1846 Wien bis 1905 Sori in Ligurien), studierte ab 1864 an der Akademie Wien bei Josef Hoffmann (1831–1904) und Joseph von Führich (1800–1776), der Überlieferung nach soll sie, um das Verbot von Frauen an der Akademie zu umgehen, in Männerkleidung am Akademieunterricht teilgenommen haben, ca. 1865–70 als Portraitmalerin in Wien tätig, 1871 Verlobung mit dem Maler Carl Hofmann und erste Ausstellungsbeteiligung in Wien, 1871–72 Übersiedlung nach München und Weiterbildung bei Johann von Schraudolph, mit dem sie das Atelier teilte, 1872–73 Restaurierungsarbeiten im oberösterreichischen Stift Kremsmünster, 1873 Rückkehr nach München und autodidaktische Weiterbildung in der Pinakothek, 1878 Weiterbildung in Paris, später Studienaufenthalt in Florenz, spätestens 1889 untergetaucht und anonymer Erwerb einer Villa in Sori an der Riviera di Levante bei Genua, lebte hier, als Mann verkleidet, unter dem Namen "Professor Anton Herrmann" und gab Sprachunterricht, während Hermine Gartner als verschollen galt, nach ihrem Tod wurde von den italienischen Behörden ihre wahre Identität als Dame mit "... gewaltige(m) falsch(em) Schnurrbart ..." sowie "... Malerin aus Wien und Schwester eines Innsbrucker Universitätsprofessors [Theodor Gartner, 1843 Wien bis 1925 Innsbruck]..." entdeckt, der Fall erregte Aufsehen in den internationalen Medien und wurde von Magnus Hirschfeld in seiner 1910 erschienenen Schrift "Die Transvestiten" aufgegriffen, Quellen: Thieme-Becker, AKL, Saur "Bio-Bibliographisches Künstlerlexikon", Österreichisches biographisches Lexikon, Fuchs, Busse, Chris Petteys "Dictionary of Women Artists: An International Dictionary of Women Artists Born Before 1900", Sabine Plakolm-Forsthuber "Künstlerinnen in Österreich 1897–1938" und Wikipedia.

Limit:
450.00 €

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