Edvard Diriks, Gartenidyll bei Drøbak
sommerlicher Garten mit Haus hinter Bäumen, im flirrenden Sonnenlicht, das Motiv taucht wiederholt im Werk Diriks auf – so betitelt er eine ähnliche Komposition mit "Fra Drøbak [dt.: aus Drøbak]" – in beiden Werken wird noch der Einfluss Monets sichtbar, staffierte er doch in beiden Gemälden Damen mit auffallenden Sonnenschirmen neben dem hinter dichten Astwerk nur zu vermutenden rot bedachten Häuschen, den Ort Drøbak entdeckte der Künstler in den 1880er Jahren für sich und kaufte hier eine ehemalige Fischerhütte, die "Klausehytta", welche ihm und später seiner Familie als Sommerdomizil und letztendlich als Wohnhaus diente, wenngleich Diriks einen Großteil seiner Bekanntheit Paris verdankte, so behauptete er stets "... , es gäbe nur zwei Städte auf der Welt, in denen es sich lohne zu leben, nämlich Drøbak und Paris. ... [Quelle: Sverre Christophersen]", pastose, impressionistische Malerei mit charaktervollem Pinselduktus, das Gemälde steht am Beginn der "späten französischen Phase", die seine erfolgreichste werden sollte, kraftvolle ungestüme Pinselhiebe formen aus Farbe, Licht und Schatten eine lichtdurchflutete Sommerlandschaft, gerade diese Art der Malerei brachte Diriks den Beifall der zeitgenössischen französischen Kunstkritik, die den Künstler – nicht zuletzt wegen seiner robusten wie beeindruckenden Erscheinung und seiner ungestümen kraftvollen Art als "Wikinger auf dem Montparnasse" wahrnahm, wie sein Cousin Edvard Munch fühlte sich Diriks der avantgardistischen Künstlerboheme verbunden und lebte konsequent, mitunter unter prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, für seine Malerei, Öl auf Leinwand, links unten signiert "Diriks", rückseitig auf dem Keilrahmen alte, teils unleserliche Annotationen "Dröbak [Drøbak] ... 1899", Altersspuren, gerahmt, Falzmaße ca. 80 x 125 cm. Künstlerinfo: eigentlich Karl Edvard Diriks, norwegischer Maler (1855 Christiania (heute Oslo) bis 1930 Horten), bedeutender Vertreter des skandinavischen Impressionismus, aufgewachsen in Diriksløkken in Uranienborg, Schulfreund von Erik Werenskiold, 1872 Abitur, 1873–74 Kadett der Militärakademie in Oslo-Linderud, diente ab 1874 als unbezahlter Leutnant, im Frühjahr 1874 Praktikum im Architekturbüro von Paul Due in Christiania, anschließend kurzzeitig Architekturstudium in Stuttgart, 1874–75 Architekturstudium am Polytechnikum [Technischen Hochschule] in Karlsruhe, parallel Schüler der badischen Kunstschule beim norwegischen Landschaftsmaler Hans Gude, hier Bekanntschaft mit Christian Krohg, Hans Gude, Frits Thaulow und Max Klinger, 1875 ging er mit Klinger und Krogh nach Berlin, Diriks studierte dort an der Bauakademie Architektur und wechselte ab 1877, unter dem Einfluss der Freunde, von der Bauakademie zur Kunstakademie und Malerei, 1878–79 zeitweilig Schüler von Theodor Hagen an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, im Herbst 1879 Rückkehr nach Christiania in Norwegen, beschickte ab 1879 Ausstellungen in Christiania wie die Kunstausstellungen Norwegens (Statens årlige Kunstutstilling), Berlins und den Münchner Glaspalast, 1882–83 Studienreisen nach Paris und in die Bretagne, hier Bekanntschaft mit dem Impressionismus, vor allem Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet und Alfred Sisley inspirierten ihn, trotz allem entwickelte er seinen ganz eigenen Stil, anschließend wechselnde Aufenthalte in Norwegen und Frankreich, 1892 Eheschließung mit der schwedischen Malerin, Glasmalerin, Kunstgewerblerin und Bildhauerin Anna Diriks (1870–1932) und Übersiedlung nach Drøbak am Oslofjord, ab 1895 Studienreisen durch Europa (Spanien, Deutschland, Italien), 1899–1921 mit seiner Frau Aufenthalt in Frankreich und feste Einbindung in das internationale Avantgarde-Milieu von Montparnasse, das Paar verkehrte freundschaftlich mit Auguste Rodin, Antoine Bourdelle, Paul Fort, Gustave Kahn, Emile Verhaeren, Leblond Merri und Stuart Merri, der französische Bildhauer Antoine Bourdelle meinte 1920, dass Diriks Kunst französisch sei und nannte ihn den "norwegischen Franzosen", Diriks beteiligte sich an Ausstellungen des Pariser Salons, der Galerie Vollard, des Salon d’Automne, des Salon de Champs de Mars, des Salon des peintres de Paris moderne, des Salon des Tuileries und des Salon des Indépendants, darüber hinaus vertreten 1893 auf der Weltausstellung in Chicago, 1900 auf der Weltausstellung in Paris und 1915 auf der Panama-Pacific International Exposition in San Francisco, 1903 Mitbegründer und Mitglied der Société des peintres du Paris moderne, 1906 Mitglied des Salon d'Automne, ab Frühjahr 1921 wieder in Drøbak, 1907 Ernennung zum Ritter und 1920 zum Offizier der französischen Ehrenlegion, 1920 Ernennung zum Ritter Erster Klasse des norwegischen St.-Olav-Ordens, ab 1927 bezog der Künstler ein staatliches Künstlergehalt, Quelle: Thieme-Becker, Vollmer, Saur "Bio-Bibliographisches Künstlerlexikon", Bénézit, Joseph, Niederländisches Künstlerlexikon, Schurr und Internet.