Gemälde

Lot-No. 4119

Erzherzog Albrecht zu Pferde nach Rubens

nach der erfolgreichen Einnahme von Ostende durch Albrecht 1604 entstand das repräsentative Reiterbildnis des Erzherzogs Albrecht VII. von Habsburg von Österreich (1559–1621), ab 1599 Herzog von Burgund, in zeremonieller Rüstung hoch zu Pferd, es zeigt den Regenten der Spanischen Niederlande mit Marschallstab in der Rechten, roter kaiserlich-habsburgischer Feldherrenbinde am linken Oberarm, den ihm 1599 verliehenen Orden vom Goldenen Vlies um den Hals, im edlen Harnisch mit weißem Mühlsteinkragen und hohem federgeschmückten Cabasset, vor der Küste Ostendes, Albrecht VII. galt als Feingeist und Förderer der niederländischen Kunst im Allgemeinen, wie Peter Paul Rubens (1577–1640) im Besonderen, er befand sich jedoch im Zuge des "Achtzigjährigen Krieges" in langwieriger kriegerischer Auseinandersetzung mit den Vereinigten Niederlanden unter Moritz von Oranien, die in der Schlacht von Nieuwpoort am 2. Juli 1600 gipfelte, das von Rubens geschaffene Original des siegreichen Albrecht, ehemals im Besitz der Habsburger, gilt heute als verschollen, das Motiv ist jedoch in zahlreichen Kopien überliefert, die teils von Rubens stammen oder traditionell als Werkstattarbeit Peter Paul Rubens betrachtet werden, so schuf Rubens ca. 1617 einen Zyklus "Allegorie der fünf Sinne", im Gemälde "Sehsinn" der Reihe ist eine verkleinerte Variante unseres Motivs rechts neben Amor abgebildet, andere schreiben das Motiv Frans Pourbus dem Jüngeren (1569–1622) zu, der ebenfalls Portraits Albrechts schuf, in der vorliegenden kleineren Version wird die Figur Albrechts samt Pferd, abweichend vom Original, vor einer sanft bewegten Gebirgslandschaft unter deutlich verändertem Himmel dargestellt, das Motiv existiert generell in mehreren leicht modifizierten Varianten, allein das niederländische Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie dokumentierte sechs Varianten und Vorstudien von bzw. nach Rubens auf seiner Datenbank, interessanterweise wurden Pferd und Figur offensichtlich von der Rubenswerkstatt unter Austausch des Kopfes und des landschaftlichen Hintergrundes auch für andere Herrscherportraits verwendet – so entstand 1621 das Reiterportrait von Kronprinz Władysław IV. Wasa (1595–1648) mit der Schlacht von Chotyn im Hintergrund, welches der Werkstatt Rubens und hier speziell dem Rubensschüler Pieter Claeszoon Soutman (1580–1657) zugeordnet wird, ähnlich verfuhr man beim Reiterportrait des polnischen Königs Sigismund III. Wasa (1566–1632), ab 1599 Erb- und Titularkönig von Schweden, welches auch als Werkstattarbeit von Rubens gilt, ein zwischen 1612 und 1615 von Rubens geschaffenes Reiterportrait von Don Rodrigo de Calderon (1576–1621) zu Pferd, verändert neben Hintergrund und Gesicht auch die Farbe des Pferdes und die Haltung der rechten Hand – folgt aber in sonstigen Details den vorher genannten Gemälden, eine derartige Vorgehensweise war durchaus üblich, die auch zur Machtabsicherung als Repräsentationsgeschenke benötigten Bildnisse wurden von den Herrschern oft in größerer Zahl geordert und setzten eine gut funktionierende Werkstatt und standardisierte, gut zu modifizierende Motivvorlagen voraus, so ist bekannt, dass der sächsische Hof unter anderem ca. 60 identische Portraits Friedrichs des Weisen und ca. 60 identische Portraits Johanns des Beständigen in der Werkstatt Lucas Cranach des Älteren (1472–1553) bestellte, gering pastose Malerei, Öl auf Leinwand, wohl 17. Jh., alt doubliert, unsigniert, rückseitig auf dem Keilrahmen wohl alte Inventarnummer "570 KR" und jüngeres gedrucktes schwedisches Etikett mit Zuschreibung "Pourbus, Franz. Hans art Ryttarporträtt (Tilly?), fältherre med hatt och harnesk i landskap. D 110 x 77. [Pourbus, Franz. ... Reiterportrait (Tilly?) Feldherr mit Hut und Rüstung in einer Landschaft. 110 x 77 cm.]", Altersspuren, in Goldleiste gerahmt, Falzmaße ca. 112 x 78 cm.

Limit:
8000.00 €

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