Hirten in den Ruinen von Paestum
sommerliche Szene mit Hirten, ihre Ziegen im um 540 v. Chr. errichteten Hera-Tempel von Paestum weidend, links durch den dorischen Säulenwald erkennbar die noch besser erhaltene Ruine des Poseidon-Tempels, das von antiken Dichtern wie Ovid und Vergil besungene "Pestane" wurde nach 500 n. Chr. wegen Versandung, Versumpfung und Malariagefahr aufgegeben und erst Mitte des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt, im Zuge der Antikenbegeisterung der Aufklärung gehörte ein Besuch der antiken Stadt Paestum mit seinem gut erhaltenen Amphitheater und den drei Tempeln der Hera, des Poseidon und der Athene fortan zur Grand-Tour der bildungsreisenden Elite, so schrieb Johann Wolfgang von Goethe im Eintrag vom 23. März 1787 seiner »Italienischen Reise« "... Das Land ward immer flacher und wüster, wenige Gebäude deuteten auf kärgliche Landwirtschaft. Endlich, ungewiß ob wir durch Felsen oder Trümmer führen, konnten wir einige große länglich-viereckige Massen, die wir in der Ferne schon bemerkt hatten, als überbliebene Tempel und Denkmale einer ehemals so prächtigen Stadt unterscheiden […] Von einem Landmanne ließ ich mich indessen in den Gebäuden herumführen, der erste Eindruck konnte nur Erstaunen erregen. Ich befand mich in einer völlig fremden Welt. [...] und in weniger als einer Stunde fühlte ich mich befreundet, ja ich pries den Genius, dass er mich diese so wohl erhaltenen Reste mit Augen sehen ließ, da sich von ihnen durch Abbildung kein Begriff geben lässt. ...", das Blatt entspricht motivisch der Tafel IX "Ansicht des Inneren der Basilika, Blickrichtung Osten" des 1777–78 von Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) mit 20 Radierungen herausgegebenen Alterswerks "Différentes vues de Pesto", Mischtechnik (Aquarell über Tuschevorzeichnung) auf Papier, wohl um 1800, unsigniert, Altersspuren, hinter Glas und Passepartout freigestellt gerahmt, Blattmaße ca. 45 x 67 cm.