Christoph Weigel, Pariser Aktienhandel
belebte tumultartige Szene in der Pariser Rue Quincampoix vor der 1716 durch John Law gegründeten "Banque générale" mit wild gestikulierenden, teils verzweifelten Wertpapierhändlern, satirische Darstellung der Ereignisse nach Platzen der "Mississippi Bubble" genannten Spekulationsblase 1720, der schottische Nationalökonom, Bankier und Lebemann John Law de Lauriston (1671 Edinburgh bis 1729 Venedig) konnte sich wegen eines tödlichen Duells der Hinrichtung durch Flucht in die Niederlande entziehen, wo er intensiv das Finanzsystem der Bank von Amsterdam studierte, später in Paris durch Glücksspiel reich geworden, lernte er den künftigen Regenten Frankreichs Philipp von Orléans kennen und wurde auf dessen Rat vom minderjährigen König Ludwig XV. zum obersten Finanzkontrolleur [Contrôleur général des finances] ernannt und sollte das durch Kriege desolate Finanzsystem Frankreichs durch frische Geldeinnahmen sanieren, als Direktor der Mississippi-Kompanie vereinigte er 1719 diese mit der Französischen Ostindienkompanie und der Französischen Westindienkompanie zu einem einzigen großen Außenhandelsmonopolisten, der "Fondateur de la Compagnie des Indes" und propagierte großen wirtschaftlichen Erfolg für Käufer von Schuldverschreibung an dieser Unternehmung, als ruchbar wurde, dass die vorgeblich in den Kolonien zu erwirtschaftenden Gewinne ausbleiben würden, stürzten die Werte der Schuldverschreibungen wegen mangelnder Liquidität der Gesellschaft ab und es kam zum Platzen der Spekulationsblase, unter der Straßenszene ausführliche Beschreibung des Geschehens und Bildnis Laws, umgeben von Binsen, Füllhörnern mit Schuldscheinen sowie den angeketteten Gott des Handels, Merkur, und verzweifelten und zum Suizid gedrängten Wertpapierbesitzern, kolorierter Kupferstich auf Bütten, um 1720, unten mittig bezeichnet "Excudit C. Weigel nach dem Parisischen Original", Altersspuren, im Passepartout, ungerahmt, Plattenmaße ca. 32,5 x 39 cm. Künstlerinfo: auch Christoph Weigel der Ältere bzw. Senior, dt. Kupferstecher, Zeichner, Kunsthändler, Buchdrucker, Formschneider, Kartograph und Verleger (1654 Redwitz bei Eger [heute: Marktredwitz] bis 1725 Nürnberg), ab 1666 Lehre zum Goldschmied in Hof, später Unterrichtung in Mathematik und Instrumentenbau durch seinen Vetter Erhard Weigel in Jena, hier auch Studium an der Universität, ab 1673 Lehre zum Kupferstecher zunächst bei Andreas Wolfgang und ab 1678 bei Matthäus Küsel in Augsburg, 1682 Wanderschaft nach Wien, 1683–88 in Frankfurt am Main, 1688–91 erneut in Wien, 1691–96 in Augsburg und 1697 in Regensburg, erwarb am 23.03.1698 das Bürgerrecht in Nürnberg und gründete hier einen Verlag, er verlegte bedeutende Werke wie "Bilderlust" und "Ständebuch" (1698) und editierte eine Neuauflage des Wappenbuchs von Johann Siebmacher, er arbeitete eng mit dem kaiserlichen Geographen und Kartografen Johann Baptist Homann (1664–1724) zusammen, später führte er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Johann Christoph Weigel (1661–1726) parallel eine Kunsthandlung in Nürnberg, 1716–25 Genannter des Nürnberger Rats, nach Weigels Tod führte dessen Witwe Magdalena Esther Weigel (1679–1748) den Verlag fort und vervollständigte angefangene Werke ihres Mannes, Quelle: Thieme-Becker, Saur "Bio-Bibliographisches Künstlerlexikon", Wurzbach "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich", Allgemeine Deutsche Biographie, Nagler, Grieb, Müller-Singer, Sitzmann und Internet.