Gemälde

Lot-No. 4108

Edouard Schulz-Briesen, "Zur Untersuchung"

anrührende Szene eines in Ketten gelegten Mannes, der sich am Fuß einer Treppe zum Gefängnisportal von Frau, Kind und Hund verabschiedet, um eine Untersuchungshaft anzutreten, im Portal winkt ein Polizist mit Gewehr den Häftling heran und auch ein älterer Gefängniswärter mahnt zur Eile, aus gewissem Abstand verfolgt eine Gruppe Kinder und klatschender Frauen das Geschehen, während sich zwei Vagabunden scheuen Blicks hinter den Zuschauern verbergen, als pittoreske Kulisse für seine erzählerische Darstellung wählte der Künstler die Durchfahrt mit einem Lichthof des historischen Rathauses von Rothenburg ob der Tauber mit seinem weltbekannten Rathausportal, Rothenburg als Heimatort seiner Ehefrau war ein beliebter Hintergrund seiner novellistischen Genrebilder, fein und detailreich mit spitzem Pinsel lasierend festgehaltene Genremalerei mit schönem Licht und trefflich erfasster Stofflichkeit, so sind die Figuren liebevoll, nahezu fotorealistisch in sublimer Farbigkeit erfasst und auch der morbide Charme des betagten Gemäuers mit bemoostem und abbröckelndem Putz und diversen Spinnweben sind gekonnt eingefangen, Öl auf Leinwand, vor 1879, links unten signiert und ortsbezeichnet "Ed. Schulz Briesen Düsseldorf", rückseitig fragmentarische Etiketten mit Infos zum Künstler, doubliert, minimale Altersspuren, sehr schön gerahmt, Falzmaße ca. 81 x 109 cm. Künstlerinfo: eigentlich Eduard Schulz, irrtümlich auch Schultz, nannte sich als Künstler Edouard Schulz-Briesen, dt. Portrait- und Genremaler sowie Illustrator und Fotograf (1831 auf Haus Anstell in Frixheim-Anstel bei Neuss bis 1891 Düsseldorf), von seinem Vater zum Militär bestimmt, besuchte er früh die Kadettenanstalt Bensberg, studierte nach Abbruch der militärischen Laufbahn 1847–51 an der Düsseldorfer Akademie bei Theodor Hildebrandt, Rudolf Wiegmann und Josef Wintergerst, beeinflusst von Wilhelm von Schadow, Karl Ferdinand Sohn und später von Benjamin Vautier dem Älteren und Ludwig Knaus, ab 1851 weitergebildet an der Königlichen Akademie der Künste in Antwerpen bei Gustave Wappers und Josephus Laurentius Dyckmans, unternahm Studienreisen nach der Schweiz und Frankreich [Paris], 1854–55 Militärdienst in Köln, anschließend als Portraitmaler in Berlin, Westfalen und Barmen, leitete in Barmen ein Fotografisches Atelier und schuf Illustrationen, ab 1871 in Düsseldorf ansässig, 1880 Reise nach Holland, 1850–52 und 1873–91 Mitglied im Düsseldorfer Künstlerverein "Malkasten", beschickte die Ausstellungen des Kunstvereines für die Rheinlande sowie Ausstellungen in Berlin, Düsseldorf, Wien, Barmen, Bremen und den Münchner Glaspalast, tätig in Düsseldorf-Pempelfort, Quelle: Thieme-Becker, Saur "Bio-Bibliographisches Künstlerlexikon", Schülerlisten der Düsseldorfer Akademie, Boetticher, Müller-Singer, Seubert, Bruckmann "Lexikon der Düsseldorfer Malerschule" und Internet. Weiterführende Info zum Gemälde: das vorliegende Gemälde fand breiteste Aufnahme durch eine großformatige, doppelseitige Holzstichabbildung in der Zeitschrift "Die Gartenlaube" von 1881 [Seite 84] und ist hier mit "Zur Untersuchung" betitelt, weiterhin ist das Gemälde bei Boetticher wie folgt erwähnt "... 11. »Zur Untersuchung (Die Verhaftung)« An den Stufen des Gerichtsgebäudes nimmt ein an Händen und Füßen gefesselter Mann von Weib u. Kind Abschied. Mehrere Leute sehen dem Vorgange zu. ...", laut dem Eintrag wurde das Gemälde 1879 auf der Ausstellung im Münchner Glaspalast gezeigt (im Katalog der Ausstellung auf Seite 32 unter Nr. 948 "Zur Untersuchung" aufgeführt), wurde schließlich 1880 auf der Allgemeinen Düsseldorfer Kunstausstellung gezeigt und wurde vom Kunstverein 1880 der Städtischen Gemäldesammlung Düsseldorf geschenkt, auch Max Georg Zimmermann beschreibt das Gemälde in "Allgemeine Deutsche Biographie" 1891 „... Der Gang zur Untersuchung“ befindet sich in der städtischen Galerie zu Düsseldorf. Es ist eine ergreifende Scene, wie im Hofe des alterthümlichen Gerichtsgebäudes der rothhaarige in Ketten geschlossene Angeklagte von seiner Frau und seinem Kinde Abschied nimmt. ...".

Limit:
12000.00 €

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