Silber und Metallwaren

Katalog-Nr. 3651

Seltener Berliner Münzhumpen Silber

2. Hälfte 17. Jh., Silber gestempelt mit alter Beschaupunze der Stadt Berlin (um 1659 bis Mitte 18. Jh. nachgewiesen), undeutliche Meistermarke, wohl Christoph Knorr(e), Churfürstlicher Hofgoldarbeiter, Humpen mit zylindrischer Wandung, weit ausgestellter gewölbter Fuß, hohl gearbeiteter geschwungener Henkel mit Wappenabschluss, gegabelte Daumenrast mit Volutenabschluss, gewölbter, oben getreppter Klappdeckel, rückseitig scharniert, im Deckel und im Fuß 14 kleine Silbermünzen zu drei Groschen Polen, Sigismund III., um 1600, sowie ein Taler Tirol, Leopold V., 1630, und ein Taler Sigismund III. von Norwegen und Dänemark, 1628 eingelassen, Wandung umlaufend graviert mit Rollwerk und Putten sowie drei Kartuschen mit Schriftzügen "Nonvi" (Gewaltlosigkeit), "Patientia" (Geduld) und "Solertia" (Geschicklichkeit/Klugheit), darin allegorischen Figuren in Landschaft, die Darstellungen gehen auf den in Straßburg tätigen Stecher Etienne Delaune zurück, der sie ursprünglich als die zu dieser Zeit bekannten vier Kontinente Afrika, Europa und Asia (und Amerika, hier aber nicht dargestellt) entwarf, diese Motive wurden im 16. und 17. Jahrhundert insbesondere von Zinngießern weiter verwendet und in der hier gezeigten Form auch auf der sogenannten Temperantia-Schüssel von François Briot (1550–1616) verwendet, ein Ende der Daumenrast abgebrochen, insgesamt etwas gedellt und verdrückt, mit altersgemäßen Gebrauchs- und Altersspuren, H ca. 15,9 cm, G ca. 495 g. Quelle: Hans Demiani (1897), François Briot, Caspar Enderlein und das Edelzinn. Leipzig; Julius Lessing, Edelzinn, in Prof. Karl Hoffacker, Kunstgewerbeblatt, Neunter Jahrgang, Verlag von Seemann & Co., Leipzig 1898, S. 52 b ff.. Info: In Berlin sind die Aufzeichnungen zu Goldschmieden und Punzen in dieser Zeit durch einen regen Zustrom neuer Gold- und Silberschmiede schwer nachzuvollziehen, viele Punzen sind nicht mehr zu belegen, die Datierungen lassen sich jedoch anhand von Kirchenbüchern rekonstruieren, zu einer Tochter Knorres ist vermerkt, dass die Kurfürstin und der Kurprinz zur Taufe Paten gestanden haben, Knorre selbst ist als Pate einer Tochter des Goldschmieds Quippe im Jahr 1702 vermerkt, das Patent als Hof-Goldarbeiter Knorres wurde 1710 vergeben. Quelle: Friedrich Sarre, Die Berliner Goldschmiedezunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 – Ein Beitrag zur Kunst- und Gewerbe-Geschichte Berlins; Wolfgang Scheffler, Berliner Goldschmiede. Daten, Werke, Zeichen, Verlag Bruno Hessling, Berlin 1968.

Limit:
5800,00 €

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